Wechsel zu Ökostrom: Grüne zeigen wie’s geht - Protest gegen Steinkohle-Kraftwerk der TWF
PM 2008_02 - 25.02.2008, Ortsverband Friedrichshafen
Friedrichshafen - Die Technischen Werke (TWF) planen derzeit zusammen mit anderen Stadtwerken den Bau eines Steinkohlekraftwerks in Brunsbüttel. Der Ortsverband von Bündnis 90 / Die Grünen möchte erreichen, dass sich die TWF von diesem Vorhaben zurückziehen. Deshalb informieren die Grünen am Samstag, 1. März, ab 10 Uhr in der Häfler Innenstadt zum geplanten Kohlekraftwerk der TWF und über den Wechsel zu echten Ökostrom-Anbietern.
Für den Ortsverband von Bündnis 90 / Die Grünen ist das geplante Kohle-Projekt, an dem sich die TWF beteiligen will, völlig unverständlich: „Jedes weitere Kohlekraftwerk ist ein Angriff auf den Klimaschutz und auf unsere Zukunft“, sagt Monika Blank, Stadträtin und Grüne Ortsverbandsvorsitzende. Deshalb rufen die Grünen jetzt zum Wechsel zu Stromanbietern auf, die Strom aus regenerativen Energien aus Wind, Wasser oder Sonne erzeugen. „Sollten die TWF an ihrem Vorhaben festhalten, werden etliche Kunden auf alternative Anbieter umsteigen“, prognostiziert Blank. Der Wechsel sei ganz einfach und problemlos – und außerdem sei Ökostrom mittlerweile kaum teurer als der Energiemix der konventionellen Stromanbieter.
Die TWF bieten ihren Kunden zwar unter anderem spezielle Wasserkraft-Tarife an, aber mit dem geplanten Kohlekraftwerk würden sie sich von ihrem eigenen Anspruch weit entfernen: „In der Werbung betonen die Technischen Werke ja gerne, dass sie viel für die Umwelt tun würden, indem sie Strom aus Wasserkraft verkaufen. Tatsächlich macht der Anteil an alternativen Energien und Wasserkraft am Gesamtmix der Technischen Werke gerade mal 44 Prozent aus“, betont Blank. Der restliche Strom setze sich zu zwölf Prozent aus Kernenergie und zu 44 Prozent aus Kohle und Gas zusammen.
Mit dem geplanten Steinkohlekraftwerk werde die Bilanz aus Klimaschutz-Sicht noch schlechter, heißt es in der Pressemitteilung der Grünen: Steinkohle ist nach Braunkohle der zweitschlimmste fossile Energieträger, wenn es um den CO2-Ausstoß und damit um die Klimaschädlichkeit geht. Das geplante Kraftwerk sei zudem uneffizient, da nicht einmal eine Kraft-Wärme-Kopplung vorgesehen sei. Das bedeutet: Mehr als 50 Prozent der Primärenergie wird als ungenutzte Wärme verloren gehen – bei einer Laufzeit von 30 bis 40 Jahren sei dies eine unverantwortliche Energieverschwendung und CO2-Belastung.
„Wer die gesicherten Erkenntnisse des Weltklimarates zur Erderwärmung nicht ernst nimmt, handelt verantwortungslos“, sagt auch Matthias Klemm, Co-Vorsitzender der Häfler Grünen, der in der letzten Sitzung des Ortsverbands wichtige Argumente aus Sicht der Klimaforschung veranschaulichte: Danach habe die Klimaerwärmung aufgrund des von Menschen gemachten Treibhauseffektes mittlerweile nachweislich eingesetzt. „Wenn wir ungebremst auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe setzen, werden sich die Lebensbedingungen für die Menschen bis zum Ende dieses Jahrhunderts dramatisch verschlechtern“, so Klemm.
Eine Chance, diese Entwicklung aufzuhalten, sieht Klemm nur, wenn innerhalb eines kleinen Zeitfensters von maximal fünf Jahren in den Industriestaaten gehandelt werde: „Wir müssen so schnell wie möglich umsteigen auf regenerative Energieträger, Energie sparen und Energie effizienter nutzen.“ Nur so lasse sich der durchschnittliche Temperaturanstieg auf gerade noch erträgliche zwei Grad begrenzen. Vor diesem Hintergrund seien große Anstrengungen beim Klimaschutz notwendig – die aber nach Ansicht der Grünen zu schaffen seien.
Wenn jedoch selbst der heimische Stromanbieter ein Kohlekraftwerk plane, würde das sämtliche andere Klimaschutz-Bemühungen konterkarieren. Und deshalb wollen die Grünen jetzt Druck machen: „Wenn viele TWF-Kunden zu Ökostrom-Anbietern wechseln, dann werden sich die TWF den Kraftwerksbau vielleicht noch einmal überlegen“, hoffen Matthias Klemm und Monika Blank.
Info: Grüner Infostand zu Ökostrom:
Samstag, 1. März, 10 bis 13 Uhr in der Innenstadt, Fußgängerzone Wilhelmstraße. Am Stand gibt es Infomaterial zu den Ökostrom-Anbietern Lichtblick, Greenpeace Energy, EWS Schönau und naturstrom.