Grüne: „Steinkohle ist Umwelt-Steinzeit“ - Grüne weiterhin gegen Beteiligung der TWF an Steinkohlekraftwerk in Brunsbüttel
PM 2008_06 - 18.04.2008, Ortsverband Friedrichshafen
Friedrichshafen - Trotz Proteste und dem Ausstieg anderer Stadtwerke aus dem Projekt halten die Technischen Werke (TWF) noch immer an ihrer Beteiligung am Bau eines Steinkohlekraftwerks in Brunsbüttel fest. Nachdem nun auch die Technischen Werke Schussental, Ravensburg, ausgestiegen sind, fordert der Ortsverband von Bündnis 90 / Die Grünen die TWF erneut zum Umdenken auf: „Die Ravensburger setzen jetzt voll auf Ökostrom, die Häfler Technischen Werke sollten diesem guten Beispiel folgen und den Klimaschutz genauso ernst nehmen“, sagt Monika Blank, Stadträtin und Grüne Ortsverbandsvorsitzende.
Vor wenigen Tagen gaben die Technischen Werke Schussental (TWS) ihren Ausstieg aus dem Projekt Steinkohlekraftwerk in Brunsbüttel bekannt. Das Unternehmen wolle sich in der Region klar als Anbieter von Strom aus regenerativen Energien positionieren und sein Engagement in diesem Bereich ausweiten. Damit würden die TWS nun konsequent den grünen Weg einschlagen. So heißt es in der TWS-Pressemitteilung – und so erwarten es die Grünen in Friedrichshafen auch vom Häfler Stromversorger TWF.
„Bisher haben sich die TWF als Lieferant von Wasserkraft-Strom für Privatkunden hervorgetan und damit umweltbewusste Kunden gewonnen. Mit dem Einstieg in den Bau eines Steinkohlekraftwerks verlassen die Technischen Werke den bisherigen Umwelt-Kurs und konterkarieren damit sämtliche Klimaschutz-Bemühungen in Friedrichshafen“, sagt Monika Blank.
Zur Begründung für diesen Kurs verweist die TWF-Geschäftsführung gerne darauf, dass sie bei der Erneuerung des deutschen Kohlekraftwerkparks dabei sein möchte. Dieses Argument ist aus Sicht der Grünen jedoch nicht stichhaltig, weil der geplante Kraftwerksbau in Brunsbüttel im Wirkungsgrad weit entfernt von dem ist, was heute technisch möglich ist. „Eine Kraft-Wärme-Kopplung ist nicht vorgesehen“, sagt Monika Blank. Dadurch gehen mehr als 55 Prozent der Primärenergie als ungenutzte Wärme verloren. Der 1.600 Megawatt-Kraftwerksbau produziert zudem jährlich zwischen neun und zehn Millionen Tonnen CO2.
Klimaschutz sehe anders aus: „Um den großen Energieversorgern Marktanteile abzunehmen, sollten die TWF konsequent auf umweltfreundliche Technologien setzen und die Beteiligung an Brunsbüttel aufgeben“, heißt es weiter in der Presseerklärung der Grünen. „Das kommt bei der Bevölkerung gut an.“ Außerdem würden dadurch die wirtschaftlichen Risiken minimiert. „Die Kosten, die der Klimawandel mit sich bringt, werden auf die Verursacher, wie die Kohlekraftwerksbetreiber, zurückkommen.“
Nicht nur in Ravensburg und Friedrichshafen gibt es seit Monaten zahlreiche und lautstarke Proteste gegen das geplante Steinkohlekraftwerk. Auch in anderen Kommunen, deren Stadtwerke sich an dem Bau beteiligen wollen, und vor Ort in Brunsbüttel gibt es regen Widerstand. Bis auf eine haben alle angrenzenden Gemeinden das Projekt in öffentlichen Stellungnahmen abgelehnt.
Eine Bürgerinitiative droht bereits damit, den Ausschluss Friedrichshafens aus dem internationalen „Klima-Bündnis“ zu beantragen, da die Stadt mit ihren Technischen Werken gegen die Satzung handle, in der es heißt: „Ein Mitglied kann aus dem Verein ausgeschlossen werden, wenn sein Verhalten in grober Weise gegen Interessen des Vereins verstößt.“ Für Friedrichshafen sei ein Rausschmiss aus dem Klima-Bündnis mehr als nur ein Imageschaden, findet Blank: „Bisher hat sich die Stadt mit einem wegweisenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement hervorgetan und konnte viele Erfolge erzielen. Mit dem Steinkohlekraftwerk wird sich die Stadt in die Umwelt-Steinzeit zurückschleudern.“