Monika Blank

Friedrichshafen
 

Grüne: „Öffentlicher Verkehr hat höchste Priorität”

PM 2008_07 - 11.05.2008, Ortsverband Friedrichshafen

Leserbrief / Offener Brief an Landrat Lothar Wölfle zum Interview in der Schwäbischen Zeitung, 10.05.2008

Sehr geehrter Herr Wölfle,

mit Interesse habe ich Ihr Interview in der Samstag-Ausgabe der Schwäbischen Zeitung gelesen. Sie analysieren die Situation im Bodenseekreis sachlich und mit Augenmaß. Ich habe nur meine Zweifel, ob Sie in Sachen Verkehrspolitik die richtigen Schlüsse ziehen.

Sie sagen: „Es gibt hier nun mal kein so dichtes Netz im öffentlichen Nahverkehr wie in Stuttgart oder München. Das werden wir auch nicht bekommen.“ Dies sehen wir von Bündnis 90 / Die Grünen anders. Wir werden ein modernes, leistungsfähiges System im öffentlichen Nahverkehr bekommen, wenn wir es gemeinsam wirklich wollen und mit höchster Priorität einfordern. Einerseits sagen Sie, man müsste für eine Bodensee-S-Bahn viel Geld in die Hand nehmen, andererseits beziffern Sie die Kosten für die Ortsumfahrungen von Bermatingen, Markdorf, Kehlen und Kluftern auf 60 Millionen Euro. Wenn wir den ÖPNV substanziell ausbauen, können wir nach unserer Überzeugung auf diese Straßenbauprojekte verzichten. Verkehrspendler würden zunehmend auf die Bahn ausweichen, Verkehrsspitzen zu Messezeiten können durch ein ausgeklügeltes Park & Ride-System abgefedert werden. Es gibt eine Fülle von Ideen und Konzepten, die diese Straßenplanungen überflüssig machen.

Wir Grünen vom Ortsverband Friedrichshafen werden alles tun um zu verhindern, dass Menschen aus Salem und Bermatingen künftig Ihre Einkäufe im Häfler Bodensee-Center per Auto erledigen. Die ist keine destruktive Nein-Sage-Politik, denn in diesem Fall sind die Alternativen zum Straßenneubau ausgereift und tragfähig. Unsere Flächen sind zu kostbar, um sie unnötigerweise mit Straßen zu versiegeln.

Wir fordern den Verzicht auf die Straßenbauplanungen, wie sie jetzt beim Regierungspräsidium eingereicht wurden, und den konsequenten Ausbau von Bahn- und Busverbindungen. Dies wäre eine wirklich bahnbrechende Verkehrspolitik für die Bodenseeregion, die den Herausforderungen des Klimaschutzes gerecht wird, die Bevölkerung in der Bodenseeregionnicht spaltet und einem Landrat von Ihrem Format zur Ehre gereichen würde.

Es ist nicht zu spät, einen Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik weg vom individuellen Straßenverkehr hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln zu vollziehen.

Und übrigens: auf der B31 tut sich in Hagnau einiges: der PKW-Verkehr hat dort über Jahre stetig abgenommen. Wenn es gelingt, den Güter-Transitverkehr weiträumig um diese Region zu lenken, ist den Menschen dort geholfen, auch ohne Straßenneubau.

Dr. Matthias Klemm
Vorstand Bündnis 90 / Die Grünen Friedrichshafen

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