Suche nach einem eigenen Kandidaten
Südkurier, 29.09.2009 – Bericht von Katy Cuko
Der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen möchte am liebsten mit einem eigenen Kandidaten in die Oberbürgermeisterwahl 2009 in Friedrichshafen gehen.
Friedrichshafen – Es war ein beschwingter Beginn der Jahreshauptversammlung am Freitagabend, der im Weltladen mit einer Weinprobe startete. Schon im Oktober will der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen mit den Vorbereitungen des Wahljahres 2009 anfangen, um die Arbeit für den bevorstehenden Wahlkampf für gleich drei Urnengänge zu entzerren. Die Oberbürgermeisterwahl findet voraussichtlich im März statt. Es folgen Kommunal- und Europaparlamentswahl am 7. Juni und die Bundestagswahl am 27. September. „Das Plakatmotiv für unsere Kommunalwahl ist schon geknipst“, berichtete Ortsverbandsvorsitzende Monika Blank.
Nicht nur das: Der Ortsverband hat auf der Internetseite der kommunalpolitischen Vereinigung von Bündnis 90/Die Grünen in Baden-Württemberg (GAR) eine Suchanzeige veröffentlicht, um einen grünen-nahen Kandidaten zu finden, den man bei der OB-Wahl in Friedrichshafen ins Rennen schicken könnte. Auch wenn noch nicht klar sei, ob Amtsinhaber Josef Büchelmeier erneut antritt, tun sich die Grünen offensichtlich schwer, den SPD-Mann zu unterstützen. „Es gibt viele Kritikpunkte aus grüner Sicht“, reklamierte Monika Blank. Man sei sich sehr wohl bewusst, dass ein eigener Kandidat etwa so viele Chancen auf den Chefposten im Rathaus hätte wie der direkte Einzug der Grünen-Kandidatin in den Bundestag. „Doch so ein Modell könnte in einem möglichen zweiten Wahlgang das Zünglein an der Waage sein“, sagte Monika Blank am Freitag. Wie dem auch sei: „Im Moment ist dies nicht unser OB-Wahlkampf, egal, wen die CDU ins Rennen schickt.“ Und wenn man keinen eigenen Kandidaten finde, „brechen wir nicht in Tränen aus“.
Eine ausführliche, sehr persönlich gefärbte Rückschau auf die Ereignisse der vergangenen zwölf Monate lieferte der stellvertretende Ortsverbandsvorsitzende Matthias Klemm ab, der seit einem Jahr zum Vorstand gehört. Das Führungsduo der Häfler Grünen scheint sich sehr grün zu sein, denn Klemm lobte Blank als Politikerin, die auch innerparteilich andere Standpunkte respektiere. So wie beim MTU-Logistikzentrum, wohl wissend, dass in dieser „zwiespältigen Geschichte“ einige zum gefundenen Kompromiss stehen, andere aber wegen des immensen Flächenverbrauchs auf der grünen Wiese eben nicht.
Klemm ließ Revue passieren, wofür sich die Grünen einsetzten. Er erinnerte an die Veranstaltung vor Jahresfrist, als der kleine Ortsverband den Rechtsextremismus thematisierte und mit Polizeischutz durchsetzte, dass man im Seehotel nicht mit den Rechten, sondern in Ruhe über den Umgang mit ihnen sprechen kann. Er warnte, gerade im Hinblick auf das Wahljahr, davor, den Einfluss der Neonazis hier in der Region zu unterschätzen. „Die sind dabei, sich strategisch neu aufzustellen.“ Als erfolgreiche Aktionen mit „riesiger Resonanz“ wertete Monika Blank unter anderem den Muster-Protestbrief sowie den Einwendungsantrag gegen die Ausweitung der Betriebszeiten am Flughafen Friedrichshafen, den die Grünen „als Service für den Bürger“ im Internet zur Verfügung gestellt hatten.
(Hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Autorin Katy Cuko.)