Stuttgart 21 verzögert Elektrifizierung
Pressemitteilung 2010_02 - 22.01.2010,
Ortsverband Bündnis 90 / Die Grünen Friedrichshafen
Friedrichshafen - „Wir haben immer davor gewarnt, dass Stuttgart 21 die Elektrifizierung der Südbahn verhindern könnte“, sagen Monika Blank und Matthias Klemm, Vorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen Friedrichshafen. „Jetzt sieht es leider so aus, als ob wir Recht bekommen sollen: Für Stuttgart 21 werden Milliarden vergraben, aber für die Strecke Ulm-Friedrichshafen-Lindau gibt es kein Geld mehr.“
Laut Medienberichten gibt es ein vertrauliches Bahn-Papier mit einer Streichliste, auf der auch die Südbahn stehen soll: Vor 2025 gebe es für die Elektrifizierung der Strecke Ulm-Friedrichshafen-Lindau „keine Realisierungschance“. Der Grund: Das nötige Geld fehle.
Für die Grünen ist die Verzögerung um mindestens weitere zwölf Jahre nicht hinnehmbar: Ohne den Ausbau der Südbahn bleibe der Diesel-Schienenverkehr in Oberschwaben auf dem technischen Stand der 1930er. Die Grünen fordern deshalb Landtags- und Bundestagsabgeordnete sowie die Bürgermeister und Oberbürgermeister der Region auf, gemeinsam für die Elektrifizierung der Südbahn zu kämpfen: „Es kann nicht sein, dass acht Wochen nachdem ein Vertrag zwischen Land und Bahn geschlossen wurde und nachdem die Kommunen bereits die Planungskosten vorfinanziert haben, das längst fällige Projekt Südbahn auf Eis gelegt wird“, sagt Matthias Klemm.
Den Grund für die nun publik gewordene Streichliste von wichtigen Schienenprojekten sehen die Grünen im Bau von Stuttgart 21: „Der unterirdische Bahnhof wird mehr als vier Milliarden Euro verschlingen. Nach externen Gutachtern könnten die Kosten für das vermeintliche Prestigeobjekt sogar auf 6,9 bis 8,7 Milliarden Euro steigen. Aber die für die Elektrifizierung Südbahn notwendigen 130 Millionen will die Bahn nicht ausgeben – die Region wird buchstäblich abgehängt“, sagt Monika Blank.
Die Grünen hoffen nun auf den Schulterschluss aller Politiker der Region. Schließlich habe das gemeinsame Engagement in Sachen Bahn in den letzten Jahren gut funktioniert, daran könnten und sollten nun alle Beteiligten anknüpfen.