Grüne wollen den Ausbau regenerativer Energieerzeugung
Pressemitteilung 2012_01 - 17.01.2012, Fraktion Bündis 90 / Die Grünen
Friedrichshafen – Welche Potenziale für die Erzeugung erneuerbarer Energien gibt es in der Stadt Friedrichshafen? Wie viel Strom und Wärme wird bereits aus Sonne, Wind oder mit Blockheizkraftwerken erzeugt und genutzt? Diesen Fragen ist die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Häfler Gemeinderat bei ihrer zweitägigen Fraktionsklausur nachgegangen – und hat sich dabei in Singen (Hohentwiel) und Umgebung mehrere Beispiele für regenerative Energieerzeugung angeschaut.

Jutta Gaukler (links) von der Singener Firma solarcomplex hat die Grüne Fraktion auf der „Erlebnistour Eneuerbare Energien“ begleitet und fachkundig über Technik, Nutzung und Potenziale informiert. (Foto: Arno Kleiß)
Bei einer „Erlebnistour Erneuerbarer Energien“ konnte die Grüne Fraktion viel sehen und lernen: Zunächst ging die Fahrt nach Mauenheim im Landkreis Tuttlingen: Mauenheim war das erste Bioenergiedorf in Baden-Württemberg. „Seit einigen Jahren produziert der Ort Strom und Wärme aus heimischen erneuerbaren Energien selbst – und zwar über den eigenen Bedarf hinaus. Das ist mehr als vorbildlich“, sagt Monika Blank, Fraktionsvorsitzende der Häfler Grünen. Die Wärme wird in Mauenheim über ein vier Kilometer langes Nahwärmenetz an rund 70 kommunale, kirchliche und private Gebäude beliefert. Neben dem Blockheizkraftwerk der Biogasanlage und einer Holzhackschnitzelheizung für Strom und Wärme speisen zahlreiche private Solaranlagen ihren Strom ins Netz. Beim Strom kommt damit das Neunfache des Strombedarfes des Ortes zusammen. „Das ist eine beeindruckende Bilanz und ein Energiekonzept, von dem wir alle viel lernen können“, betont Blank.
Großes Potenzial sehe die Grüne Fraktion vor allem in der Nutzung von Blockheizkraftwerken (BHKW), mit denen Strom und Wärme produziert werde, sowie in der Nutzung von Solarenergie. Diese Einschätzung wurde bei der Besichtigung eines Neubaugebietes in Engen bestätigt: Hier entstehen derzeit dreizehn Einfamilien- und Doppelhäuser, die an ein Holzpellets-BHKW angeschlossen sind. Neben der Erzeugung von Strom und Wärme durch das BHKW wurde der Bebauungsplan so optimiert, dass die Gebäude ideal zur Sonne ausgerichtet werden – auf den Dächern sind selbstverständlich Photovoltaikanlagen und Sonnenkollektoren für die Warmwasserbereitung montiert, die Häuser sind vorbildlich gedämmt und erfüllen den Passivhaus-Standard.
Neben Strom und Wärme aus Sonne, Holz und Biomasse durfte das Thema Windenergie auf der Erlebnistour nicht fehlen: Auf der Stettener Höhe im Landkreis Tuttlingen stehen drei Windräder mit einer Nabenhöhe von 65 Metern und einer Nennleistung von je 500 kW. „Pro Jahr produzieren diese drei Anlagen rund 1,5 Mio. kWh Strom, das entspricht dem Strombedarf von 1.500 Menschen“, sagt Blank und betont: „Auch wenn es in Friedrichshafen selbst keine idealen Windkraftstandorte gibt, so ist das Potenzial in der Bodenseeregion durchaus vorhanden und sollte für die regionalen Stadtwerke, wie die Technischen Werke Friedrichshafen oder die künftigen Stadtwerke Bodensee, von großem Interesse sein.“ Selbstverständlich sei für die Grünen, dass bei der Wahl der Standorte eine sorgfältige Bürgerbeteiligung und Interessensabwägung Pflicht sei: „Wir müssen die Menschen vor Ort mitnehmen und von den Vorteilen der regenerativen Energien überzeugen – nur dann funktioniert der Ausbau.“
Zum Abschluss ging die Tour zum Solarpark Langenried: Auf einer ehemaligen Mülldeponie der Stadt Singen wurden auf einer Fläche von vier Hektar Photovoltaik-Module mit einer Leistung von 560 kW installiert. Pro Jahr werden hier 650.000 kWh Strom erzeugt, das entspricht dem Strombedarf von 650 Menschen. „Ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass sogar eine ehemalige Mülldeponie noch einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung leisten kann“, sagt Blank. Jedenfalls könne Friedrichshafen von solchen Beispielen viel lernen: „Die Potenziale für die Erzeugung erneuerbarer Energie sind da, wir müssen sie nur nutzen und jetzt konkrete Projekte vorantreiben.“