Flughafen will wachsen – aber was ist mit der lärmgeplagten Bevölkerung?
Grünes aus dem Gemeinderat, 10. Februar 2009
Grenzen des Wachstums scheint es für den Flughafen Friedrichshafen nicht zu geben: Und so stellte Flughafen-Chef Hans Weiss im Gemeinderat eine pure Wachstumsstrategie vor: Von heute ca. 650.000 Fluggästen sollen die Zahlen anwachsen auf eine Million Fluggäste im Jahr 2015, dafür muss der Flughafen 21 Millionen Euro investieren. Und das ganze natürlich immer mit der Begründung, nur mit diesen Wachstumszahlen könne der Flughafen irgendwann mal profitabel wirtschaften. Völlig ausgeblendet hat Weiss in seiner Strategie die Frage nach dem Fluglärm und einer Strategie zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung in Friedrichshafen und Meckenbeuren. Wen wundert’s … ist ja auch kein angenehmes Thema und stellt die Wachstumsszenarien in Frage.
Ebenfalls kein Thema war die Frage, warum eigentlich der Flughafen zu fast 50 Prozent aus Häfler Töpfen finanziert wird: Nimmt man die Gesellschafteranteile von der Stadt Friedrichshafen, der TWF, den Stiftungsbetrieben ZF und Zeppelin zusammen, sind es schon 42 Prozent. Hinzu kommen noch die 14 Prozent Beteiligung des Landkreises - und da steckt die Stadt ja wieder mit drin. Eine gewaltige Wirtschaftsförderung finanziert durch Stadt und Stiftung für eine Region, die den Flughafen zwar gerne nutzt, sich aber bei der Kostenbeteiligung völlig bedeckt hält. Bei anderen Flughäfen sieht das anders aus, z. B. der Flughafen Paderborn hat alle umliegenden Landkreise als Gesellschafter. Bei uns heißt es dagegen: Die Stadt Friedrichshafen schultert einen großen Teil der Finanzierung und damit auch der weiteren Investitionskosten. Und die Bevölkerung der Stadt Friedrichshafen trägt auch einen großen Teil der gesundheitlichen Belastung, die der Flugverkehr mit sich bringt.
Dass dann noch die beantragten (und noch immer nicht genehmigten!) Nachtstarts vom Flughafen-Chef als Grundvoraussetzung für den weiteren wirtschaftlichen Erfolg hergenommen wurden, wundert wohl auch niemanden mehr … Für uns Grüne war deshalb klar: Wir sind weiterhin gegen Nachtstarts zwischen 22 und 6 Uhr. Und wir wollen kein grenzenloses Wachstum des Flughafen auf Kosten der Stadt und der Gesundheit der Bevölkerung. Wir Grüne haben die Zukunftsstrategie des Flughafen “ablehnend zur Kenntnis genommen”. So heißt das dann im schönsten Bürokratendeutsch.